„Wir sind die Nummer eins Osthessens“

Die letzten drei Jahre waren die Erfolgreichsten in der nun 51-jährigen Geschichte des TSV Lehnerz – Highlights wie die Regionalliga-Relegation vor einem Jahr und die Hessenliga-Derbies gegen Borussia Fulda hatten mit Kulissen weit jenseits der Tausendermarke etwas von Profifußball. „Wir sind die Nummer eins der Region – das ist aktuell so“, sagt Pressesprecher Michael Hamperl selbstbewusst. Finanz-Vorstand Martin Geisendörfer sieht das genauso. 

Die Saison 2016/17 wird das erste Hessenligajahr ohne Goalgetter Dominik Rummel sein, der in 76 Einsätzen mit 45 Toren eine beachtliche Trefferquote hatte. Den 23-Jährigen zog es zum Stadtrivalen Borussia Fulda. „Dominik ist ein super Goalgetter, der für seine jungen Jahre schon extrem abgezockt ist vor dem Tor“, hat Martin Geisendörfer Lob parat. „Er hat sich zum Ende hin im taktischen Gefüge der Mannschaft nicht mehr so wohl gefühlt“, versucht Hamperl die Wechselwilligkeit zu erklären. Das kommende Jahr sei definitiv eine Herausforderung: zum einen, weil die Konkurrenten in der Liga extrem aufgerüstet hätten. Zum anderen, weil das Loch Rummel gestopft werden will.

Vom FSV Mainz 05 wurde für diese Aufgabe Steven von der Burg verpflichtet. Der 21-Jährige aus Gelnhausen bringt Erfahrung aus der Regionalliga und der Junioren-Bundesliga mit. Zwar ist er als Strafraumstürmer ein anderen Spielertyp als sein Vorgänger, Potenzial bringt der 1,93 Meter-Hühne aber allemal mit. „Wir haben auch weiterhin versucht, der Region treu zu bleiben und Spieler aus dem Umkreis zu verpflichten“, sagt Geisendörfer. Von der Burg aus Gelnhausen, André Herr (Mainz 05) aus Burghaun, Lukas Marvin Friedrich (Kickers Offenbach) aus Schotten. „Wir sind in der Region verwurzelt und das wollen wir auch so beibehalten.“

Die Einbindung von Nachwuchskräften ist in Lehnerz ein hohes Gut. Mit Christoph Sternstein und Luca Gaul stoßen Spieler aus dem Nachwuchsteam der zweiten Mannschaft hinzu. Die Lücke, die Sebastian Bartel mit seinem Weggang hinterlassen hat, wird hausgemacht mit Julian Pecks gefüllt. „Die Arbeit in unserer zweiten Mannschaft ist extrem wichtig – Marco Lohsse und Niklas Herget machen einen herausragenden Job, aber auch in der Jugend wird gute Arbeit geleistet“, sagt Martin Geisendörfer, „die Einbindung von Nachwuchsspielern ist elementar und wird von uns auch weiterhin forciert.“

Mithalten? – „Auf lange Sicht schwierig“

Bei der Zielsetzung für die neue Saison ist der Zweit- und Drittplatzierte der Vorjahre zurückhaltend – das obere Drittel soll es sein: „Die ganze Liga rüstet auf. Da können und wollen wir auf lange Sicht nicht mithalten. Die Hessenliga ist für uns genau das richtige Fahrwasser“, ist sich der Finanzvorstand sicher. Es gehe nicht ausschließlich um das sportliche Maximum, auch die Identität des Vereins sei zu bewahren. „Unser Funktoinärsbereich wird komplett von Ehrenamtlichen getragen, beim Derby stehen die Spieler der dritten Mannschaft in der Würstchenbude und an der Kasse – alle helfen mit. Die Spieler sollen uns alle als Nummer zwölf sehen. Für mich gehört auch noch etwas Romantik zum Fußball. Würden wir nach dem Spiel kein Bier im Sportlerhäuschen trinken und über das Spiel diskutieren, dann würde etwas fehlen – dann würde ich das Amt, glaube ich, auch nicht machen“, so Geisendörfer.

Über 100 Helfer waren beim letzten Derby im Einsatz. Mit bis zu 4.000 Zuschauern rechnet der TSV beim Saisonauftakt gegen Borussia Fulda. Michael Hamperl wünscht sich ein spannendes Spiel auf Augenhöhe: „Das ist aktuell der Reiz dabei. Es gibt zwei Teams mit demselben Niveau. Wir wollen selbstbewusst in das Spiel gehen und den Bann, immer den Saisonauftakt zu vergeigen, endlich brechen. Die letzten Male haben wir gelähmt gewirkt. Diesmal liegt der Druck bei den Borussen. Sie haben groß eingekauft. Aber egal wie es kommt: Das Spiel wird Werbung für die ganze Fußballregion sein.“

Für Hamperl ist ein weiteres Saisonziel, ein möglichst weites Kommen im Hessenpokal – vor zwei Jahren hat Lehnerz gezeigt, dass sie über 120 Minuten sogar mit Fußball-Drittligist Wehen Wiesbaden mithalten konnten: „An einem guten Tag können wir auch die Großen ärgern“, ist er sich sicher, „das ist der einfachste Weg, an ein großes Spiel gegen Kickers Offenbach oder Hessen Kassel zu kommen – und vielleicht schaffen wir es ja mal in den DFB-Pokal und ziehen das große Los.“

Quelle: OSTHESSEN|NEWS