Lehnerz gerät unter die Räder – Frankfurts KARA überragend

Einen völlig verkorksten Auftritt legte der TSV Lehnerz am Samstag im Hessenliga-Heimspiel gegen die SG Rot-Weiß Frankfurt an den Tag. Die Mannschaft von Henry Lesser zeigte sich nach 15 ausgeglichenen Minuten in allen Bereichen unterlegen und musste sich dem Tabellenführer – auch in der Höhe verdient – mit 0:4 (0:3) geschlagen geben.

Von Abtasten hielten beide Kontrahenten wenig. Vom Anpfiff weg gingen sowohl die Hausherren als auch die Gäste hohes Tempo und suchten sofort den Weg zum Tor. Den ersten Torschuss gab Lehnerz‘ Pierre Mistretta ab, der aber zu ungenau platziert war (5.). Die Gastgeber, die die Niederlage in Seligenstadt wieder gut machen wollten, kamen in der Anfangsphase zu weiteren guten Möglichkeiten, um in Führung zu ziehen. Doch nach Andre Vogts Vorstoß über die linke Seite vergab Mittelstürmer Dominik Rummel, der diesmal von Beginn an spielen durfte, aus aussichtsreicher Position (6.). Die beste Gelegenheit hatte aber Renato Tusha, der nach Balleroberung von Sebastian Kress und Zuspiel von Patrick Schaaf völlig frei vor SG-Torwart Ioannis Takidis auftauchte – und scheiterte (9.). „Wir haben momentan das Problem, dass wir uns unseren Chancen keine Tore machen“, haderte TSV-Trainer Henry Lesser.

Doch auch der stark gestartete Aufsteiger aus der Mainmetropole besaß gleich zu Beginn gute Möglichkeiten. Es war eine Doppelchance von Varol Akgöz und Andre Fliess, die Lehnerz Torwart Aykut Bayar sehenswert vereitelte (5.). Wenig später machte Bayar jedoch keine gute Figur als Cem Kara mit einem Freistoß aus 30 Metern die Führung für Frankfurt erzielte (16.). Halbhoch und nicht besonders platziert geschossen schien der Ball durchaus haltbar. Lehnerz versuchte sich durch das Gegentor nicht aus dem Tritt bringen zu lassen und suchte den Weg nach vorne, doch ihnen fehlte die letzte Konsequenz. Und die Genauigkeit in ihren Zuspielen, diesich immer mehr bemerkbar machte. Die rot-weißen wirkten hingegen äußerst ballsicher und spielfreudiger und hatten in Cem Kara ihren überragenden Mann auf dem Feld, der an nahezu jeder gefährlichen Offensivaktion beteiligt war. Nach schönem Zuspiel von Adam Freund parierte Bayar seinen Schussversuch zur Ecke (25.). Aus dieser Ecke entstand das 0:2 durch Varol Akgöz, der im Sechzehner zwei Hacken schlagen konnte und gekonnt ins lange Eck abschloss (25.). Doch es sollte noch schlimmer kommen für den TSV: Wieder wurde ein Eckball nur halbherzig geklärt, wieder was es Cem Kara, der aus elf Metern zum 3:0 Halbzeitstand einschob (32.). „Wir haben heute in den entscheidenden Zweikämpfen nicht die Substanz gehabt, die man braucht. Frankfurt hat das eiskalt bestraft und hochverdient gewonnen“, resümierte Lesser.

Der Aufsteiger aus Frankfurt zog den Lehnerzern mit einer unglaublichen Effektivität den Zahn, zeigte sich aber auch spielerisch und läuferisch überlegen und legte das bessere Zweikampfverhalten an den Tag. Auf Seiten der Hausherren hatte man nicht das Gefühl, dass sich jemand gegen die drohende Niederlage stemmen würde – Innenverteidiger Sebastian Kress ausgenommen, der in einigen Szenen zeigte, wie man gegen den Tabellenführer agieren hätte müssen: aggressiv, resolut und zweikampfstark. Im zweiten Abschnitt plätscherte das Spiel angesichts des deutlichen Vorsprungs vor sich hin, gleichwohl kamen die Hausherren zu einigen guten Gelegenheiten. Julian Pecks traf nach einem Schaaf-Freistoß am langen Pfosten stehend nur das Außennetz (49.) und Pierre Mistretta setzte die Kugel aus 17 Metern zu hoch an (50.).

In diese Phase hinein platzte der Treffer zum 4:0 für die Gäste, der die letzten Zweifel beseitigte. Torschütze? Na klar, Cem Kara. Der beste Mann auf dem Feld an diesem Tage bekam auf dem rechten Flügel den Ball, legte sich im Sechzehner die Kugel auf den rechten Fuß und schloss überlegt ins lange Ecke ab (57.). „Wenn man die ersten zehn Minuten nimmt, kommt unser hoher Sieg natürlich überraschend. Wenn wir da in Rückstand geraten, können wir uns auch nicht beschweren“, sagte SG-Trainer Daniyel Cimen nach dem Spielende. Der frühere Profi der Frankfurter Eintracht sah nach der Führung eine „richtig gute Leistung und im Endeffekt einen verdienten Erfolg.“ Mit weißer Weste führen seine Schützlinge nach sechs Spielen die Tabelle an und sind drauf und dran, sich in die Favoritenrolle zu spielen. „Wir sind glücklich und froh, dass es momentan so läuft, aber jetzt genießen wir erst einmal den Tag. Für was es am Ende reicht, werden wir dann sehen“, wollte Cimen die Tabelle nur als schöne Momentaufnahme betrachten.

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

TSV Lehnerz: Aykut Bayar – Niklas Odenwald (32. Julian Pecks), Sebastian Kress, Sebastian Sonnenberger, Andre Vogt – Niklas Breunung, Patrick Schaaf, Renato Tusha, Patrick Lesser, Pierre Mistretta – Dominik Rummel.

SG Rot-Weiß Frankfurt: Ioannis Takidis – Ghani Wessam Abdul (72. Luca Scholten), Anil Mus, Sven Kunisch, Jeremy Lundy – Cem Kara. Kadir Fil (65. Admir Pllana), Andre Fliess (82. David Janik), Ko Sawada, Adam Freund – Varol Akgöz.

Schiedsrichter: Julius Martenstein (Marburg).

Zuschauer: 420.

Tore: 0:1 Cem Kara (16.), 0:2 Varol Akgöz (25.), 0:3 Cem Kara (33.), 0:4 Cem Kara (57.).+++