Hochverdienter Sieg der „Zweiten“ gegen Neuhof

Der sportliche Aspekt beim Verbandsliga-Derby am Sonntag zwischen der Reserve des TSV Lehnerz und dem SV Neuhof geriet fast zur Nebensache. Der Grund: SVN-Torwart Dogus Albayrak ging nach einem Elfmeter-Pfiff für die Hausherren erst auf Schiedsrichter Felix Berger dann auf Osman Özlük los. Es endstand eine Rudelbildung, an deren Ende Albayrak mit rot und Özlük mit gelb-rot vom Feld gestellt wurden. Das Spiel endete 1:0 (0:0) für die Hausherren.


„Ich will nicht sagen, dass ich es nachvollziehen kann. Aber es ist seltsam, dass wir in jedem Spiel Platzverweise und Elfmeter gegen uns gepfiffen bekommen“, sagte nach dem Spiel Neuhofs Spielertrainer Radek Görner. Denn das seinem Torhüter Albayrak die Sicherungen durchbrannten, lag wohl daran, dass sich Neuhof über die komplette Spielzeit von Schiedsrichter Berger verpfiffen gefühlt hat. Vor Albayraks Ausraster drang Özlük in den Strafraum ein, prallte mit Neuhofs Schlussmann zusammen – und bekam dafür einen Elfmeter. Zudem kassierte Neuhofs Schlussmann die rote Karte.

Was folgte, hat auf Sportplätzen schlicht nichts zu suchen: Albayrak ging erst auf den Schiedsrichter los und musste von Mit- und Gegenspielern zurück gehalten werden. Anschließend stattete Albayrak noch dem am Boden liegenden Özlük einen Besuch ab. Es entstand eine Rudelbildung, an deren Ende auch Lehnerz‘ Stürmer mit der Ampelkarte vom Feld gestellt wurde. Den Elfmeter verwandelte Paul Hohmann gegen Leon Bräuer, der als Feldspieler zwischen die Pfosten musste, sicher (84.). „Über 90 Minuten gesehen haben wir absolut verdient gewonnen, es hätte viel höher ausgehen müssen“, fasste TSV-Trainer Sedat Gören die Begegnung zusammen.

Bereits in Halbzeit hatten die Hausherren, bei denen Hessenliga-Spieler Renato Tusha sein Comeback feierte, einige gute Möglichkeiten, um entscheidend davon zu ziehen. Neuhofs Torwart Albayrak, der sportlich eine überragende Leistung zeigte, vereitelte ein ums andere Mal glänzend. Kurz vor dem Halbzeitpfiff dann der erste Pfiff, mit dem die Gäste nicht einverstanden waren: Iven-Luca Schmitt kassierte für eine angebliche Notbremse die rote Karte (37.), Neuhof in Unterzahl.

Damit hatten die Hausherren zunächst aber ihre Probleme, diese auch zu nutzen. Nach etwa einer Stunde bot sich dann die Möglichkeit für den TSV, in Führung zu ziehen. Özlük wurde im Sechzehner zu Fall gebracht und trat selbst an. Özlük verballerte aber selten arrogant, Albayrak war zur Stelle. „Von uns war das heute einfach zu wenig. Wir haben vielleicht 80 Prozent dessen gezeigt, was wir können. Wir haben nicht den Willen gezeigt“, fand Görner klare Worte für den Auftritt seiner Schützlinge, die sich keine nennenswerte Möglichkeit erspielten.

Diese hatten vor allem die Hausherren, gerade auch in der Schlussphase, in der der TSV durch Mwanza oder Sternstein die Führung hätten ausbauen können. Unterm Strich steht ein hochverdienter Sieg für die Hausherren, der durch Albayraks Ausraster fast in den Hintergrund rückte. Mit dieser Szene wird sich nun das Sportgericht beschäftigen – eine lange Sperre für Neuhofs Torwart dürfte folgen.

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

TSV Lehnerz II: Witold Sabela – Luca Gaul, Julian Pecks, Natnael Weldetnsae (78. Benjamin Mwanza) – Kaan Say – Lukas Marvin Friedrich, Renato Tusha (89. Maximilian Vilmar), Paul Hohmann, Leon Wittke (64. Dennis Nuspahic) – Christoph Sternstein, Osman Özlük.

SV Neuhof: Dogus Albayrak – Anton Antoniev, Adam Agovic, Leon Bräuer, Iven-Luca Schmitt – Edin Hasanagic, Tobias Manns (33. Niko Skugor) – Mateo Duvnjak, Nikolcho Gorgiev (46. Tomislav Labudovic), Marko Curic (75. Darko Lazarevski) – Radek Görner.

Schiedsrichter: Felix Berger (SG Herleshausen/Nesselröden).

Zuschauer: 220.

Tor: 1:0 Paul Hohmann (84., Foulelfmeter).

Rote Karten: Iven-Luca Schmitt (Neuhof, 37., Notbremse), Dogus Albayrak (Neuhof, 81., Schiedsrichterbeleidigung).

Gelb-Rote Karte: Osman Özlük (Lehnerz, 82., Foulspiel/Meckern).

Besonderheit: Osman Özlük (Lehnerz II) scheitert mit einem Foulelfmeter an Dogus Albayrak (61.). +++