„Erste“ unterliegt im Derby

Auch den zweiten Matchball lässt der TSV Lehnerz liegen: Am Samstag verlor der Hessenligist das letzte Stadtderby gegen Borussia Fulda mit 1:2 (1:2) und kann die Relegation zur Regionalliga nun erst am letzten Spieltag in Lohfelden eintüten. Weil Alzenau zeitgleich in Steinbach gewann, hat der TSV nur noch zwei Punkte Vorsprung vor dem letzten Spiel.


Obwohl seine Jungs im ersten Durchgang eine höchst durchschnittliche Leistung zeigten, blieb TSV-Trainer Marco Lohsse beinahe tiefenentspannt an der Seitenlinie. Lohsse verzichtete auf lautstarke Anweisungen vom Seitenrand und blieb ruhig. Für einige verbale Anmerkungen hätte es aber durchaus Bedarf gegeben.

Denn die bessere Mannschaft im ersten Abschnitt waren die Gäste gewesen, die Lehnerzer hingegen blieben vieles schuldig. Erst nach 24 Minuten hatten die Hausherren ihren ersten Abschluss, als Marius Strangl aus der Distanz SCB-Torwart Kenan Mujezinovic prüfte. Zu diesem Zeitpunkt führten bereits die Borussen von Henry Lesser.

Marcel Mosch wurde im Sechzehner schön freigespielt, Mosch legte quer in die Mitte, wo Dennis Müller nur noch ins leere Tor einschieben musste (3.). Nur zwei Minuten später hätte es Elfmeter für die Fuldaer geben können, ja müssen. Pierre Mistretta schickte Daniel Kornagel, der diesmal die einzige Spitze gab, und dieser wurde von Sebastian Bartel elfmeterreif gefoult – doch Schiedsrichter Timo Die ließ weiterspielen.

Der SCB spielte ungeachtet dessen weiter nach vorne und nach einem Freistoß von Leon Pomnitz wackelte das Lehnerzer Gebälk (14.). Die Führung der Borussen, sie war verdient. Daran änderte auch der zwischenzeitliche Ausgleich nichts. Nach einer Flanke von Julian Pecks standen sowohl Patrick Broschke als auch Niklas Odenwald glockenfrei. Odenwald bugsierte die Kugel schließlich per Kopf über die Linie (30.).

Der ausgeglichene Stand sollte allerdings nur rund 15 Minuten Bestand haben. Kurz vor der Pause fasste sich Mosch aus der Distanz ein Herz und nagelte das Leder mit links gekonnt in den linken, oberen Knick – ein Traumtor zur erneuten Führung (44.). „Wir haben nahtlos an die letzten acht Spiele angeknüpft“, freute sich Henry Lesser über die starke Leistung seiner Mannen, die am Ende absolut verdient als Sieger vom Feld gingen.

Daran glaubten wohl auch die eigenen Anhänger nicht, denn in der Schlussphase entrollten die SCB-Fans ein Banner mit der Aufschrift „Den heutigen Endstand entnehmen Sie bitte der FKG-Sitzung der letzten Woche“ und spielten auf die angeblichen Absprachen im Vorfeld des Duells der künftigen Partner an. Die leidenschaftliche Vorstellung der Borussen und letztlich das Ergebnis widerlegten die Vermutungen, die unter anderem auch Bayern Alzenau auf seiner Homepage im Vorfeld kundtat.

Auch im zweiten Durchgang kamen die Hausherren kaum zu zwingenden Aktionen, druckvoller aber wirkte der TSV immerhin. Die beste Chance aber entsprang nach einem Fehler von SCB-Kapitän Benjamin Fuß. Broschke stand völlig frei vor Mujezinovic, der in höchster Not klärte (74.). Es hätte der 2:2-Ausgleich sein können. Doch zu diesem Zeitpunkt hätten die Borussen den Sack schon lange zumachen können.

Kevin Hilmann zog nach Hereingabe per Direktabnahme nur knapp vorbei (52.) und wenig später bot sich Leon Pomnitz die große Chance auf das 3:1. Mosch wurde im Sechzehner gefoult, diesmal entschied Ide auf Elfmeter – doch Aykut Bayar parierte stark gegen Borussias Spielmacher (67.) In der Schlussphase drängten die Hausherren auf den Ausgleich – erfolglos.

„Heute hat kein Spieler das gezeigt, was er eigentlich kann und jeder von Borussia hat besser gespielt“, musste nach dem Spiel TSV-Trainer Lohsse anerkennen. Seine Elf zeigte eine seltsam blutleere und emotionslose Vorstellung, während die Gäste ackerten und den größeren Willen an den Tag legten. „Das passiert, wenn eine Mannschaft, bei der es um sehr viel geht, auf eine Mannschaft trifft, bei der es um gar nix mehr geht“, wollte Lohsse als Erklärung für die schwache Lehnerzer Vorstellung ausgemacht haben.

Seine Jungs seien mit dem Druck nicht zurechtgekommen. In der Vorwoche, beim starken Auftritt in Watzenborn-Steinberg, sei die Ausgangslage eine andere gewesen. Nun, nach der Pleite im letzten Derby der Geschichte, droht der TSV auf den letzten Metern die Relegation zu verspielen. Nach Alzenaus 9:0-Kantersieg über Steinbach ist klar: Lehnerz muss nächste Woche in Lohfelden gewinnen, um die Aufstiegsspiele mit dem dritten und letzten Matchball einzutüten.

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

TSV Lehnerz: Aykut Bayar – Julian Pecks, Alexander Reith (65. Antonio Bravo-Sanchez), Niklas Odenwald (70. Marcel Trägler), Patrick Schaaf, Jan-Niklas Jordan (65. Steven von der Burg), Sebastian Sonnenberger, Patrick Broschke, Sebastian Bartel, Marius Strangl, Yu Shin Youm.

Borussia Fulda: Kenan Mujezinovic – Tobias Henneböle, Kevin Hillmann, Daniel Kornagel (8. Patrise Gjocai), Leon Pomnitz, Pierre Mistretta, Matija Poredski, Benjamin Fuß, Markus Gröger, Dennis Müller, Marcel Mosch.

Schiedsrichter: Timo Ide (Marburg).

Zuschauer: 1.200

Tore: 0:1 Dennis Müller (3.), 1:1 Niklas Odenwald (29.), 1:2 Marcel Mosch (44.).

Besonderheit: Aykut Bayar (Lehnerz) pariert einen Foulelfmeter von Leon Pomnitz (67.). +++