Einzug in die Relegation vertagt: Müller kontert Träglers Traumtor

Der TSV Lehnerz hat den Einzug in die Relegation vorerst verpasst: Am Samstagnachmittag trennten sich Watzenborn-Steinberg und der TSV 2:2 (0:1)-Unentschieden. In der Nachspielzeit schockte Markus Müller die Lohsse-Elf, die durch Träglers Hammer dicht vor dem Einzug in die Aufstiegsspiele stand und nun im Heimspiel gegen Borussia Fulda alles klar machen kann.


In der Schlussphase überschlugen sich die Ereignisse: Nachdem Trägler mit seinem Gewaltschuss die Gäste wieder in Führung brachte und für kollektiven Jubel sorgte, waren die Lehnerzer dicht davon, sich bereits die Relegation zu sichern. Doch in der Nachspielzeit bestraften die Teutonen die Nachlässigkeiten Lehnerz‘.Markus Müller traf aus dem Getümmel zum 2:2-Ausgleich und nur wenige Momente später drehte Szymanski per Kopf das Spiel. Sein Treffer wurde aber von Schiedsrichter Manuel Winkler aberkannt – es blieb bei der Punkteteilung. Weil Alzenau gegen Dreieich gewann (4:2) reichte Lehnerz dieses Unentschieden nicht. Der TSV benötigt nun noch ein Punkt aus zwei Spielen, um die zweite Teilnahme an den Aufstiegsspielen nach 2015 einzutüten.

Das Säbelrassen der beiden Spitzenmannschaften der Hessenliga sollte auch das letzte Duell beider Vereine in ihrer derzeitigen Form sein. Denn auch im Gießener Land passiert nach der Saison ähnliches wie in Fulda: Der VfB Gießen und die Teutonia machen ab der nächsten Runde als FC Gießen gemeinsame Sache. Und in Fulda wurde bekanntermaßen die SG Barockstadt aus der Taufe gehoben. Beide Klubs eint ihre Ambitionen. Sowohl in Gießen als auch in Fulda soll es perspektivisch höherklassigen Fußball zu sehen geben. Am Samstag gab es auf der schmucken Anlage „An der Neumühle“ den letzten Auftritt der Teutonen. Denn im nächsten Jahr trägt der FC mit seiner ersten Mannschaft alle Spiele im benachbarten Gießen aus. Auch das eine Parallele zum TSV, der seine künftigen Heimspiele ebenfalls – zumindest überwiegend – in der Johannisau austragen wird.

Weil vor dem Spiel insgesamt fünf Spieler Watzenborns verabschiedet wurden, begann das Duell um die Relegation mit rund zehn Minuten Verspätung. Als der Ball schließlich rollte, war den rund 300 Zuschauern von Beginn ein kurzweiliges Spiel geboten. Etwas mehr als eine Minute war gespielt, da drang Lehnerz‘ Marius Strangl über links in den Strafraum ein, sein Versuch zisch nur knapp am langen Pfosten vorbei. Die erste TSV-Aktion zeigte schon, wie die Gäste zum Erfolg kommen wollen. Mit steilen Pässen in die Spitze die Abwehr der Teutonen überspielen und sich so in aussichtsreichen Positionen bringen. Nach diesem Muster fiel auch die Führung für den Gast. Strangl steckte durch auf Jan-Niklas Jordan, der den Ball in die Mitte legte, wo Watzenborns Oliver Laux dessen Hereingabe ins eigene Netz bugsierte (19.).

Zuvor bekamen die Zuschauer Chancen quasi im Minutentakt zu sehen. Teutonen-Stürmer Raffael Szymanski versuchte es mit einem Kopfball, bekam aber nicht genügen Druck hinter den Ball (3.). Dann fasste sich Barbaros Koyuncu ein Herz aus der Distanz und verfehlte den Kasten von Aykut Bayar nur knapp (8.). Quasi im Gegenzug lief über TSV-Kapitän Patrick Schaaf der Konter, der aber im letzten Moment geblockt wurde (10.). Nach der Führung hätten die Gäste, bei denen fast jeder Konter für Gefahr sorgte, nachlegen können, ja müssen. Erst vergab Broschke freistehend (27.), kurz darauf tat es ihm Schaaf gleich (34.). Beim TSV passte vieles und Watzenborn, das zwar den Großteil des Ballbesitzes hatte, mühte sich, klare Gelegenheiten herauszuspielen. Die gefährlichste hatte Tim Korzuschek, dessen Direktabnahme aus kurzer Distanz knapp übers Ziel hinausschoss (28.).

Ansonsten ließ die TSV-Elf kaum etwas zu, weil Lehnerz diszipliniert gegen den Ball agierte und die Räume clever zustellte. Mit einer verdienten Führung ging es in den zweiten Durchgang. Der startete zunächst verhalten, ehe Lehnerz wieder zu ganz dicken Möglichkeiten kam. Erst nagelte Bravo-Sanchez aus zehn Metern die Kugel an die Latte (58.), ehe Broschke seine zweite hundertprozentige liegen ließ und nach einem Solo Torwart Tolga Sahin umkurvte, im letzten Moment aber noch am sauberen Abschluss gehindert wurde (62.). Das einzige, was man den Gästen zu beanstanden hatte, war deren Chancenverwertung. Anstatt Watzenborn-Steinberg zu distanzieren, blieb es beim knappen Zwischenstand. Und es kam, wie es kommen musste. Der eingewechselte Damjan Marceta stand nach einem Standard goldrichtig und netzte zum Ausgleich ein (66.). Der TSV, er wurde für seine Nachlässigkeiten bestraft und geriet beinahe in Rückstand.

Szymanski probierte es wieder per Kopf, aber Bayar reagierte blitzschnell und begrub den Ball unter sich (71.). Es war der Startschuss einer rasanten Schlussphase, die in der geschilderten spektakulären Schlussphase gipfelte. „Es war ein glückliches Unentschieden für uns. Das Positive war, dass wir zweimal zurückgekommen sind“, sagte SC-Trainer Danijel Cimen. Sein Gegenüber, Marco Lohsse, sagte nach dem Spiel: „Vor dem Spiel hätten wir einen Punkt unterschrieben, nach dem Spiel nicht.“ Denn gemessen am Spielverlauf hätte sein TSV als Sieger vom Feld gehen müssen. „Wir wurden bestraft“, kommentierte Lohsse die mangelhafte Chancenverwertung seiner Elf. Die zeigte eine bärenstarke Vorstellung, setzte Lohsses Matchplan um, aber verpasste es sich dafür auch zu belohnen. Nun kann der TSV im Heimspiel-Derby am kommenden Wochenende gegen den künftigen Partner Borussia Fulda die Relegation eintüten. Ein Punkt genügt dem Tabellenzweiten dafür bereits.

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

SC Teutonia Watzenborn-Steinberg: Tolga Sahin – Johannes Hofmann, Timo Cecen, Raffael Szymanski, Markus Müller, Barbaros Koyuncu (46. Matthias Henn), Tim Korzuschek (46. Abdenour Amachaibou), Christopher Spang, Oliver Laux (55. Damjan Marceta), Vaclav Koutny, Dennis Lemke.

TSV Lehnerz: Aykut Bayar – Julian Pecks, Antonio Bravo-Sanchez (75. Marcel Trägler), Niklas Odenwald, Patrick Schaaf, Jan-Niklas Jordan (82. Alexander Reith), Sebastian Sonnenberger, Patrick Broschke (88. Steven von der Burg), Sebastian Bartl, Marius Strangl, Yu Shin Youm.

Schiedsrichter: Manuel Winkler (Warburg).

Zuschauer: 370.

Tore: 0:1 Oliver Laux (19., Eigentor), 1:1 Damjan Marceta (66.), 1:2 Marcel Trägler (78.), 2:2 Markus Müller (90.+2). +++