Neu-Trainer Marco Lohsse: „Fokus auf offensive Qualitäten“

Er war von Anfang an die erste Option für den TSV Lehnerz, als Henry Lesser das Handtuch warf. Am Montag hatte Marco Lohsse seine erste Trainingseinheit mit der Hessenligamannschaft. „Das war schon etwas komisch“, sagt der 37-Jährige und lacht, „Torwarttrainer, Fitnesscoach, zwei Assistenten und der Vorstand war auch am Trainingsgelände – richtig was los. Ich musste fast schon nichts mehr machen“, hängt er augenzwinkernd an. Lehnerz hat die interne Lösung gewählt, die nun voller Motivation und Ehrgeiz an die Arbeit als Cheftrainer des Hessenligisten geht.

„Die Aufgabe wird nicht leicht. Natürlich hätte ich lieber die Vorbereitung mit den Jungs absolviert und würde so in die Saison starten, aber ich nehme die Herausforderung natürlich an“, sagt der 37-Jährige, den Volker Bagus und Martin Geisendörfer aus dem Vorstand des TSV als erstes ansprachen. Acht Jahre lang trainierte Lohsse die zweite Garde der Lehnerzer, führte das Team vom zehnten Rang der damaligen Bezirksliga (heute KOL) ins obere Drittel der Verbandsliga – und das mit vor allem jungen und talentierten Spielern.

„Und wir wollen unserer Devise auch treu bleiben und weiterhin auf den Nachwuchs setzen“, gibt Lohsse die Marschroute vor. Mit Dominik Rummel, Sebastian Bartel und Christian Eckerlin haben den Club nicht gerade Senioren verlassen – dennoch wurde das Team mit Neuen weiter verjüngt. „Mit den Verletzungen von Renato Tusha und Niklas Breunung muss man aber auch festhalten, dass neben den drei Abgängen insgesamt fünf Stammspieler aus dem Vorjahr fehlen. So ehrlich muss man sein. Deshalb wollen wir in der immer stärker werdenden Liga auch realistisch bleiben: Mit einem Platz unter den besten fünf wäre unser Saisonziel erreicht.“

„Fokus auf die offensiven Qualitäten“

Henry Lesser soll seinen Stuhl auch geräumt haben, weil immer wieder Kritik an seiner eher defensiven Spielweise aufkam – trotz guter Ergebnisse. Marco Lohsse kündigt bereits an, nicht mir einer Fünferkette und davor mit drei Sechsern spielen zu wollen: „Wir haben im Angriff mit Alex Reith, Renato Tusha, aber auch Jan-Niklas Jordan oder Niklas Odenwald sehr gefährliche Spieler. Der Fokus muss auf den offensiven Qualitäten liegen.“ Aber auch der Gegner spiele bei der Wahl der Taktik eine entscheidende Rolle.

Vertraut ist Lohsse mit dem Team bereits, viele Spieler fanden den Weg über seine zweite Mannschaft in den Hessenliga-Kader. „Und so soll es auch weitergehen. Wir wollen unsere Talente über die Zweite weiterhin heranführen. Das ist eine der Stärken des TSV.“ Er könne und werde aber nicht die Mannschaft umkrempeln: „Das geht gar nicht. Dafür fehlt einfach eine Vorbeitung und die Möglichkeit für Tests – es geht schließlich in jedem Spiel um Punkte.“

Wer hätte Anfang des Jahres gedacht, dass Lohsse im August an der Seitenlinie der ersten Mannschaft stehen würde? Wohl keiner, denn der 37-Jährige musste aus gesundheitlichen Gründen für fast ein halbes Jahr pausieren. Ein Tumor musste aus seinem Bauch entfernt werden – zum Glück ein gutartiger. Nach einer langen Leidenszeit meldete er sich wieder zurück. „Diese schwierige Phase in meinem Leben hat mich einiges gelehrt. Ich sehe Situationen nun völlig anders an, ich nehme mir Kritik nicht mehr so zu Herzen – deshalb verspühre ich auch keinen Druck mit der neuen Aufgabe. Ich gebe mein Bestes und versuche, meine Aufgabe mit voller Motivation und Aufmerksamkeit zu machen.“

Am Samstag (Anpfiff 15 Uhr) gastiert der OSC Vellmar zu Lohsses Debüt in Lehnerz. In der Vorsaison kassierte man den späten und völlig unnötigen 1:1-Ausgleich. „Wir sind ungeschlagen und das wollen wir auch weiterhin bleiben. Natürlich will ich den Jungs nicht zu viel Druck auflasten, aber gewinnen wollen wir das Spiel ganz sicher.“