Interview Teil II: SONNE: „Hadere nicht mit der Profikarriere“ – REITH: „War selbst schuld“

Es ist schon wieder Derbytime – Hessenliga-Schlager TSV Lehnerz gegen Borussia Fulda. Lehnerz hat sich vor der Saison prominent verstärkt. Mit Sebastian Sonnenberger von Drittliga-Aufsteiger Würzburger Kickers und Alex Reith, dem wohl besten Spieler Osthessens, hat man sich zwei echte Raketen angeln können. Letzterer fällt für das Spiel am Freitag (Anstoß 18:45 Uhr) aus – wir haben mit beiden gesprochen – nicht nur über Borussia, Lehnerz und das Derby, es gibt auch Einblicke in das Leben zweier „Ex-Fast-Profis“.

Ihr habt beide unter Profi-Bedingungen trainiert und gespielt. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit nimmt man einerseits persönlich und andererseits fußballerisch mit?

Sonnenberger: „Fußballerisch nimmt man natürlich viel mit. Man lernt, dass man sich über seine einzelne Leistungen weniger Gedanken machen muss, weil Fußball ein Tagesgeschäft ist. Vor allem von der Presse her, das ändert sich Woche für Woche. Und man muss deswegen dann einfach Konstanz in sein Spiel hinein bringen. Auch wenn man mal einen schlechten Ball spielt, dass man sich da nicht herunter zieht, weil das normal ist. Für einen persönlich kann dich die Disziplin und die Akribie, die du als Fußballer haben musst, für das weitere Leben vorteilhaft sein. Da lernt man auch viel über sich selbst, zum Beispiel in welchem Zustand man seine beste Leistung abruft und wie muss ich mich vorbereiten. Das hat ja nichts mit der sportlichen Leistung zu tun, sondern damit, wie bringe ich überhaupt Leistung.

Reith: „Ich sehe das ähnlich, weil wir fast den gleichen Weg gegangen sind. Was ich noch anmerken kann: Wir waren seit unserer Jugend eigentlich immer im Konkurrenzkampf und wenn du das über Jahre hinweg hast, dann wirst du automatisch reifer und auf und neben dem Feld geschult, wie du dich zu verhalten hast. Und wenn du dich nicht daran hältst, dann sieht man, was passieren kann – da nehme ich mich als Beispiel. Dieser Druck, den du Tag für Tag verspürst, reizt dich dazu, hundert Prozent zu geben und dich nicht auszuruhen. Mit negativen Erfahrungen musst du genauso gut umgehen können, wie mit positiven. Und das unterscheidet glaube ich den Profi- vom Amateurfußballer.

Sonne, du warst zuletzt als Profi unterwegs, der große Durchbruch gelang nicht. Alex, dich haben immer wieder Verletzungen von einer Karriere abgehalten. Wie lange hadert man denn damit, dass es nicht ganz reicht?

Sonnenberger: „Ich persönlich hadere damit gar nicht, weil ich genau weiß, was im Leben noch dazu gehört. Für mich war von Anfang an klar, dass ich mein Wissen nicht nur im Sport weitergeben möchte, sondern auch in der freien Wirtschaft.
Reith: „Ich hatte ja nach meinen Verletzungen noch einmal die Möglichkeit und das geht einem dann schon durch den Kopf. Aber da muss man aufstehen und weitermachen. Ich bin eigentlich selbst daran schuld, dass es mit der Karriere nichts wurde. Die Verletzungen waren zwar auch ein Faktor, aber ich muss mir auch Vorwürfe machen. Aber das ist vorbei und jetzt ist es ein anderes Leben. Jetzt spielen wir im Amateurfußball, das heißt Fußball plus Arbeit. Meine Ausbildung ist der Schritt, den ich zu hundert Prozent machen will.

Aktuell wird in Fußball-Deutschland über das frühe Karriereende von Marcel Jansen und die Aussagen von Rudi Völler dazu diskutiert. Ihr als Spieler, die kurz davor und selbst Profis wart, welche Meinung habt ihr denn dazu?

Sonnenberger: „Ich habe da eine ziemlich exakte Meinung dazu. Jeder muss sich im Klaren sein, was mache ich mit meinem Leben. Und wenn du 13 Jahre das Profi-Geschäft miterlebt hast – ich persönlich weiß, wie hart das ist – und so einem Druck ausgesetzt bist und in einer Stadt wohnst, wo du dich wohl fühlst, da ewig gespielt hast. Und wenn du dann mit 29 die Stadt verlassen musst, um noch drei, vier Jahre zu spielen, dann kann ich das gut verstehen. Er hat sich ja auch nebenher – was auch nicht so viele wissen – ein Unternehmen aufgebaut und hat damit relativ viel Erfolg. Ich würde in der Situation, wenn ich so viel schon erreicht hätte, genau das Gleiche machen. Ich finde das einen super positiven Schritt von ihm und das zeigt auch, dass Fußballer sich Gedanken um ihr Leben nach dem Sport machen.

Ihr beide seid ganz andere Spielertypen. Gibt es trotzdem eine Eigenschaft, die ihr denn vom jeweils anderen gerne hättet?

(beide lachen) Sonnenberger: „Da gibt es immer etwas.“
Reith: „Komm gib zu, meine Technik.“
Sonnenberger: „Ja, das wollte ich gerade sagen. Wenn ich so mit dem Ball umgehen könnte, das wäre schon schön.
Reith: „Und ich hätte gerne ein bisschen von seiner Größe (lacht). Nein, das ist schwer zu sagen, weil jeder Spieler auf sich selbst schaut. Das Wichtigste ist doch, dass jeder sein Bestes gibt und der Mannschaft hilft. Dann ist es auch egal, ob der eine das oder andere das besser kann.
Sonnenberger: „Jeder muss mit dem Klar kommen, das er hat und wenn er etwas nicht so gut kann, dann muss er es trainieren.

Sonne, dein Spiel wirkt sehr souverän und abgeklärt. Alex, auf dem Platz bist du unglaublich quirlig und agil, manchmal auch heißblütig. Wie würdet ihr denn euch privat beschreiben?

Sonnenberger: „Ich denke, irgendwie spiegelt das, was man auf dem Platz macht, auch so ein bisschen dein Leben wider. Ich würde mich auch eher als ruhigeren Vertreter beschreiben, der versucht, die Sachen geordnet anzugehen.
Reith: „Natürlich bin ich ein Heißsporn, weil ich mich selber antreiben möchte, meine komplette Leistung abzurufen. Das sieht man ja auch bei anderen Profis. Zum Beispiel bei Arturo Vidal, wie er agiert, weil er sich selber heiß macht und mit einer gewissen Aggressivität sich selbst anspornt. Heißsporn außerhalb des Platzes wäre ein bisschen übertrieben. Natürlich hatte ich meine Phasen, in denen ich auch mal in der Disco war und getrunken hatte. Aber ich glaube, dass ich mich in den letzten drei Jahren weiter entwickelt habe und neben dem Feld sehr ruhig geworden bin.

Wie könnt ihr denn nach dem Fußball am besten abschalten? Welchem Hobby geht ihr als Ausgleich zum Fußball nach?

Sonnenberger: „Ich bin grundsätzlich ein sehr sportbegeisterter Mensch. Aber während der Saison ist das immer schwierig, andere Sportarten auszuüben. Badminton zum Beispiel spiele ich als Ausgleich ganz gerne. Nach Spielen brauche ich einfach meine Ruhe, weil man sich auf dem Platz auch mental verausgabt und den Abend brauche ich dann, um einfach mal runter zu kommen.
Reith: „Das kommt immer ein bisschen darauf an, wie das Spiel verlaufen ist. Wenn man auf den Sack bekommen hat, geht man nach Hause und schließ sich ein. Da will man mit anderen nichts zu tun haben. Aber wenn die Spiele ordentlich verlaufen und man mit seiner eigenen Leistung einigermaßen zufrieden ist, dann gehe ich noch zu Freunden. Aber da kann ich dann nicht alleine sein.
Sonnenberger: „Mir geht das ähnlich. Ich brauche dann zwar Ruhe, aber ich muss dann auch mit ein, zwei Leuten reden und unter Leute kommen, um die Spannung abzubauen.

Weil man sich alleine sonst zu sehr mit dem Spiel beschäftigt?

Sonnenberger: „Ja, genau. Man bekommt andere Meinungen mal mit und das ist so nach dem Spiel immer ganz gut.
Reith: „Ich bin der Meinung, wenn man zu sehr für sich denkt, dann deckt man die eigenen Fehler zu sehr auf und macht sich zu viele Gedanken. Andere sagen dir dann ‚Aber das hast du doch ganz gut gemacht‘ und das weckt einen auf. Und man kann dann das Spiel viel besser reflektieren.

Abschließende Frage: Ihr spielt ihr in eurer Freizeit Play Station. Welches Spiel liegt denn bei euch daheim: FIFA oder Pro Evolution Soccer?

Beide unisono: „FIFA!“

Vielen Dank für das Interview!

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